Über das Projekt

Die Organisatorin

Die Mumpitzchroniken-Organisatorin – das bin ich, Vera Keitmeier, (*1987 in Herne), freie Illustratorin und Theaterrequisiteurin. Zur Zeit arbeite ich in der Requisite im Theater Hagen und gestalte darüber hinaus immer wieder kreative Projekte mit freien Kunstschaffenden und bildungspolitischen Einrichtungen.

Idee des Projekts

Ich habe das Projekt im Sommer 2021 gestartet, als ich in einem Coronaloch steckte. Ich selbst war in meinem Requisitenberuf arbeitslos und hielt mich mit freiberuflichen Aufträgen über Wasser.
Ausstellungen, Gemeinschaftsprojekte, Menschen treffen, das Kreativsein an sich: alles fand unter Einschränkungen statt, wenn es überhaupt stattfand. Meine Idee war, nach dem Motto „Social (Un)Distancing“ ein kleines Projekt mit meinen künstlerischen Freund*innen zu starten. Ich hatte eine Handvoll Menschen im Kopf und stellte einen spontan gekritzelten Aufruf auf Facebook und Instagram.

Die Resonanz war schnell, unerwartet groß, und schon bald kannte ich nicht mal mehr alle Interessenten persönlich, die sich für das Projekt anmeldeten. Durch Kontakte der Teilnehmenden gab es sogar vereinzelte Beiträge aus Österreich, Polen, Schottland und Wales. Der Großteil der Künstler*innen kommt aus dem Großraum NRW, es gibt aber Beiträge aus allen Teilen Deutschlands.

Statt einem schickte ich also direkt 5 Bücher auf die Reise, mit den Hintergedanken, dass 1) die Wartezeit für viele so verkürzt würde und 2) bei einer größeren Anzahl an Büchern auch eine größere Chance bestand, dass auch irgendwann etwas zu mir zurückkommt.

Ich hatte mich vor Jahren einmal zu einem ähnlichen Projekt angemeldet und hatte nie ein Buch erhalten, und das Projekt verlief sich irgendwann im Sande. Die Gefahr habe ich anfangs auch gesehen, vor allem bei so vielen Teilnehmenden.

Die Reise der Bücher

Über die vergangenen zwei Jahre entwickelte sich der Verlauf jedes Buchs unterschiedlich.
Die Bücher steckten bei einigen Leuten länger fest als geplant, ein Buch, das ohne Sendungsverfolgung verschickt wurde, ist gänzlich verschollen. Das solche Ereignisse eintreten können, war mir von Anfang an klar und muss bei so einem Projekt auch mit eingeplant werden. Andererseits war das Projekt auch immer mit offenem Ende geplant, das theoretisch mit jedem neuen Buch unendlich weitergeführt werden könnte.

Im Sommer 2022 hatten die Mumpitzchroniken die Möglichkeit, Teil einer Sammelausstellung zum Thema Buch in Recklinghausen zu sein. Dort wurden zwei der bereits gut gefüllten Bücher ausgestellt, zusammen mit Bildern aus dem verlorenen Buch und einer Schreibecke, wo Gäste eigene Einträge fertigen und selbst Teil der Mumpitzchroniken werden konnten.

Außerdem habe ich ein 6. Buch auf den Weg geschickt, damit vor allem die seit einem Jahr Wartenden zum Zug kommen konnten.  

Die Ausstellung 2023

Ab dem Zeitpunkt dieser Ausstellung konnten zum ersten Mal andere Menschen als die Künstler*innen selber ihre Werke sehen. Bisher hatte nur ich die vollständigen Beiträge zu Gesicht bekommen, und hatte lediglich Ausschnitte aus den Beiträgen geteilt, damit nur diejenigen mit Zugriff auf die Bücher auch die Originale bewundern können.
Das war ein besonderes Privileg – die Vielfalt an Techniken, Themen, Stimmungen in diesen Beiträgen ist überwältigend, sehr persönlich, sehr spannend, ein großer Mittelfinger an die Pandemie. Wir machen Kunst zusammen trotz und mit Corona, lassen uns davon überhaupt nicht beeindrucken oder setzen uns ganz konkret damit auseinander.

Rechtliches und Verantwortung für das Projekt

Es ist selbstverständlich, dass überall, wo Beiträge der Teilnehmenden auftauchen, deren Namen (und wenn gewünscht, Kontaktdaten) genannt werden. Ich bereichere mich nicht mit dem Projekt und nehme kein Geld damit ein über den Punkt der Unkostendeckung hinweg.

Ich habe die Organisation des Projekts im Alleingang gestemmt, kann daher nicht dafür garantieren, dass ich alle Umstände immer im Blick habe. Vor allem bei einer so großen Nummer von Teilnehmenden, auf die ich mich verlassen muss und in deren Hand die weitere Planung liegt, sobald ein Buch bei ihnen ankommt.

Ich veröffentliche mein Vorgehen und meine Planung regelmäßig auf den Social Media Auftritten und bin offen für Kritik.

Resümee Sommer 2023

Unterm Strich kann ich sagen, dass mich die Begeisterung und das Mitfiebern der Teilnehmenden immer motiviert hat, selbst über so einen langen Zeitraum hinweg. Es hat alles länger gedauert als erwartet, andererseits konnte bei der Teilnehmendenanzahl eben auch nicht jeder Umstand antizipiert werden.

Es war keine kleine Anzahl an Leuten, die mir offen kommuniziert haben, dass sie unter Depressionen leiden. Ich hätte vollstes Verständnis dafür gehabt, wenn sie im Nachhinein von dem Projekt zurückgetreten wären oder das Buch ohne Beitrag weitergeschickt hätten, aber tatsächlich hat am Ende jede*r von ihnen einen Beitrag erstellt.

Das ist eine ziemliche Leistung, unter diesen Umständen kreativ zu sein, und ich finde es sehr wichtig, dass auch dieser Aspekt Teil des Projekts ist.

Es ging ja ursprünglich genau darum, wie man in einem Umfeld kreativ werden kann, wenn alle Umstände dagegen sind. Aus dem Kreativloch hat mir das Projekt auf jeden Fall geholfen und ich freue mich darauf zu sehen, was in Zukunft daraus noch entsteht.

Vera Keitmeier, August 2023